Kunsthandel 4.0

Kunst in den sozialen Netzwerken - Lokaler Kunsthandel 4.0

Künstler haben ein angeborenes Verlangen Kunst herzustellen und diese auch zu zeigen. Doch die Zeiten in denen die Künstler mit ihren Mappen und Werken Galeristen aufsuchten ist lange vorbei. Sie versuchen vielmehr eigene kleine Ausstellungen zu organisieren und nutzen heute dazu die Chancen der digitalen Welt. Unzählige Künstler und zahlreiche Kunstgruppen in den sozialen Medien drängeln sich um Zuspruch, und vorallem um Sammler. Und während noch viele klassische Galerien sich nach der analogen Welt sehnen, finden Künstler und Sammler auf digitalem Weg zusammen.

Die Digitalisierung hat den Kunstmarkt kräftig durcheinander gewirbelt. Die klassischen Geschäfts- und Rollenmodelle sind weitestgehend aus den Angeln gehoben. Der Kunst- und Kulturbetrieb hat - so scheint es - seine Ordnung vielfach verloren. Dabei befindet sich der Kunstbetrieb in guter Gesellschaft. Wie auch Zeitungsverlage stecken Galerien seit Jahren in der digitalen Transformation. Bis heute haben beide Branchen kein digitales Geschäftsmodell gefunden, dass den Leser- bzw. Sammler- und Umsatzverlust kompensieren kann.

Still und heimlich sehnen sich viele nach den guten, alten Zeiten zurück, in denen die Zeitung aus Papier war und die Künstler und Sammler im closed-shop analog zu erreichen waren. Und sind die Sammler noch so treu, mit dem digitalen Wandel kämpfen alle Galerien. Sie haben keine Angst davor (wie häufig unterstellt), sie haben schlichtweg keine Rezepte. 

Seit vielen Jahren drängen sehr erfolgreiche Online-Kunst-Plattformen auf den Markt. Sie existieren meist ausschließlich online und stehen in direkter Konkurenz zu den klassischen, mittelständischen Kunstgalerien in den Städten, die sich die hohen Mieten in den Kunstmetropolen kaum noch leisten können. Um ihre Existenz abzusichern versuchen sie an erfolgserprobten „alten“ Künstlern festzuhalten, oder stellen ausschliesslich Kunst aus, die den aktuellen Modetrends folgen. Die Qualität der Angebote leidet letztlich darunter. Das wiederum entgeht dann auch dem noch so treuen Kunstsammler nicht. Nur wenigen Galeristen gelingt der Spagat, gelingt das Überleben.

Es ist eine echte Herausforderung für Galeristen unserer Zeit, einen Platz auf dem Galeriemarkt - unter Einbeziehung der digitalen Welt - erfolgreich zu finden und zu behaupten. Aber es ist durchaus möglich, wenn Galerien sich öffnen und Mut beweisen. Es finden sich in den sozialen Netzwerken wunderbare Künstler, die für eine Galerie dankbar sind, die ihre Interessen vertritt und sie unterstützt beim Publizieren ihrer Werke. Und dies sind nicht nur begabte Newcomer. Selbst renommierte Künstler, die bereits weltweit ausstellen und verkaufen finden sich hier. Die Kunst der Galerie heißt „Rosinenpicken“ und Bündeln. Lokaler Kunsthandel findet heute weltweit statt. Getreu dem Motto „All Business is local Business“ können moderne Galerien den lokalen und zeitgleich den weltweiten Kunstsammlermarkt bedienen. Da werden Kunstwerke in der Galerie vorort verkauft oder auch mal auf die Reise nach Tel Aviv geschickt. Den sozialen Medien sei Dank.

Die Grundlage für den „lokalen Kunsthandel 4.0“ ist die tägliche Arbeit mit und in den sozialen Medien. Ein nett gemeinter Werbepost alle 14 Tage ist da nicht ausreichend. Es bedarf eines kraftvollen Auftritts, der sich nicht nur auf eine statische Hochglanz-Homepage beschränken darf.

Es ist letztlich die Nähe zum Künstler und das Verstehen seiner Bedürfnisse, wie auch die Nähe zu den Sammlern, die nach hochwertiger Kunst Ausschau halten... sie alle sind im Netz unterwegs, aber nur sehr wenige Galerien.

Und während die Zeitungsverlage nur langsam verstehen, dass guter Journalismus nichts mit Papier zu tun hat, so beginnen auch die mittelständischen Galeristen zu verstehen, dass der Kunstvertrieb mehr als Hochglanzräume braucht.

Peter Hofmann, Februar 2020

2 Kommentare

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